Deutsch-polnisches Künstlersymposium
in Dobre Miasto (Masuren) 08. – 18. August 2002

Auf der Wiese hinter dem Bauernhof vom Micia Bojenko entstand eine 1000-teilige Installation "Tausend Hände"





Die Arbeitshandschuhe wurden von Franz Pröbster Kunzel auf den Holzlatten in die Erde gepflanzt.





Die nächtliche Feldbegehung mit eingeladenen Gästen.






Während des Treffens entstanden neue Graphiken aus dem Zyklus "Reihungen.





Bürgermeister der Stadt Dobre Miasto Herr Jasinski und Bernhard Denga vom Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen eröffneten die gemeinsame Ausstellung in der Galerie "Obora".


Ausschnitte aus dem Presseartikel in "Gazeta Olsztynska"
vom 23.-25. August 2002

Fünf Künstler aus Polen und Deutschland
arbeiteten in Dobre Miasto (Masuren)

In der Landschaft entdeckt

Es war nicht leicht den Weg zum Bauernhof von Micia Bojenko, dem aus Warschau stammenden Künstler, zu finden. Die Bewohner von Glottau haben nach einigem Überlegen auf den Feldweg und eine weitentfernte Baumgruppe gezeigt. Den Hinweisen nach, sind wir an eine Feldkapelle aus dem 19. Jahrhundert vorbeigekommen und mussten weiter durch die Mitte eines verlassenen Hofes fahren. Wir begannen zu zweifeln, als in der Ferne ein märchenhaftes türkisfarbiges Haus erschien auf dem die bayerische Fahne wehte. Wir waren endlich da!

Bis zum jetzigen Zustand hat Bojenko die Renovierung der Gebäude acht Jahre schwerer Arbeit gekostet. Die Stallung, die heutige Ateliergalerie, wurde fast vollständig vom Fundament neu aufgebaut. Im Juni dieses Jahres war er mit den Baumaßnahmen fertig.

Das Anwesen mitten in Feldern, Bäumen und der masurischen Wildnis hat sich von Anfang an als ersehnter Ort für künstlerische Tätigkeiten angeboten.
Diese Vorteile schätzte sofort Bernhard Denga aus Bayern, der im Kulturzentrum Ostpreußen im fränkischen Ellingen arbeitet.
Vor zwei Jahren fand dort eine Ausstellung von Künstlern aus Franken und Masuren statt, an der sich auch die Allensteiner Malerin Ewa Plichta beteiligt hat. Es sind gute Erinnerungen geblieben und der Bedarf solche Treffen in der Zukunft fortzusetzen. Das wurde erst dieses Jahr umgesetzt, nachdem Bernhard vom Kulturzentrum den Kontakt mit Micia Bojenko aufgenommen hatte. Beeindruckt vom Dorf Glottau und der dortigen Landschaft hatte er keine Zweifel daran, dass dieser Ort ideal für ein Künstlersymposium passen würde.

Vieles wurde realisiert
Unter dem Motto "Kunst in der Landschaft" haben 3 Polen und 2 Deutschen aus Bayern von 8. bis 17. August 2002 gemeinsam gemalt, Installationen gebaut, diskutiert und die Gegend erforscht. Es hat sich dabei herausgestellt, dass die Sprache kein Hindernis ist. Trotz der Tatsache, dass jeder Teilnehmer einen eigenen Weg gegangen ist, haben alle einstimmig festgestellt, dass dieses Treffen die Möglichkeiten gegeben hat, sich gegenseitig kennenzulernen.
Außer gemeinsamer Arbeit haben die Künstler kulturelle Einrichtungen in Ermland und Masuren besichtigt, haben an den Diskussionen über historische, philosophische und ethnographische Themen teilgenommen.
- "Das Ziel war die Integration, der Erfahrungsaustausch, ein besseres Verständnis der modernen Kunst und vor allem das Durchbrechen der Meinungsstereotypen" - sagt Bernhard. Alle Ziele wurden realisiert.

Hände auf den Latten
Franz Pröbster Kunzel bedient sich natürlicher Materialien wie: Holz, Papier - er verwendet sogar Abfälle. Daraus entstehen Installationen auf den Feldern und den Bäumen.
Am Feldweiher in der Nähe des Bauernhofs hat Kunzel hunderten Holzlatten Arbeitshandschuhe angezogen. Wie er behauptet symbolisieren sie u.a. den Eingriff des Menschen in die Natur.
- "Hände fangen an, gleich nach der Geburt des Kindes zu arbeiten" - sagt der Künstler. - "Jede davon ist ein Unikat, hat viele Funktionen und Formen. Meine Arbeit wiederspiegelt auch die Veränderungen der Landschaft unter dem Einfluss der Zeit. Ich beobachte den Wandel der Jahreszeiten. Ich verewige diese Augenblicke.
- "Ein Künstler weiß niemals wohin er geht, seine ganze Arbeit ist ein Reifeprozess" - ergänzt Kunzel. - "Dieser Ort erlaubte uns das Experimentieren mit der Neugier eines Kindes, ohne diese einfache Mentalität gibt es kein Schaffen.
Das Ermland ist noch ein einziges lebendiges Freilichtmuseum, das kann sich ändern mit dem Eintritt Polens in die EU."

(B.W.)

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